Freitag, 21. Mai 2010

I'm singing in the rain, just singing in the rain...

Mal sehen. Wann bin ich das letzte Mal zu Fuß eine längere Strecke gegangen? Also mehr als die paar Kilometer von uns zum Goldenen Bründl auf ein Mittagessen. Bundesheer? Fehlanzeige! Dort hatte ich mir leider genau einen Tag vor dem 120 km-Marsch einen Virus eingefangen und daraufhin die vier Tage im Lazarett verbracht. Mit Zwieback und Schwarztee. Kulinarisch gesehen nicht unbedingt eine Offenbarung, aber immer noch besser als vier Tage mit einem großen Rucksack und einem Gewehr durch die Gegend zu hirschen und Krieg zu spielen. Das letzte Mal, als ich mehr als zehn Kilometer auf einmal gegangen bin, war ungefähr vor 36 Jahren auf einem Volksgeländemarsch. Das waren damals 30 km und ich kann mich daran erinnern, dass ich sogar eine Medaille dafür bekommen hab. Sollte doch also kein Problem sein, diese Übung jetzt noch mal zu wiederholen. An drei aufeinanderfolgenden Tagen. 
Morgen ist es soweit. Meine Frau, ein befreundetes Ehepaar und ich fahren nach Mikulov in Tschechien und gehen einen Teil des Jakobswegs. Dieser Teil wurde vor ca. einem Monat eröffnet und führt knapp zwei Kilometer an unserem Haus vorbei. Da werden wir dann auch stoppen und nicht gleich die restlichen 2900 Kilometer nach Santiago de Compostella weiterspazieren...ich muss am Dienstag schließlich wieder arbeiten...
Es hat zwar heute noch wie aus Kübeln gegossen und auch die letzten Tage waren alles andere als niederschlagsarm aber wir hoffen das beste. Und wenn es entgegen der Wetterprognose trotzdem regnen sollte, kann ich es immer noch wie Gene Kelly halten und durch die Pfützen tanzen...   

Donnerstag, 29. April 2010

Spinnweben

Phoa...wie sieht's denn da aus? Ist ja alles voller Spinnweben...und überall liegt Staub...hier war wohl schon länger niemand mehr? Kaum lässt man sein Blog mal ein Weilchen ruhen, sammeln sich überall diese komischen Flusen, die so aussehen wie Miniaturen von den Dingern, die in alten Western in den Geisterstädten durch die Gegend kullern. Tja, man müsste wieder mal aufräumen...müsste man...aber wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wann ich das machen soll...ich wollte auch nur kurz mal vorbeischauen und sehen, ob eh alles in Ordnung ist...keine Einbrecher, keine vergessenen Lebensmittel im Kühlschrank (kann sich jemand an die Szene mit den Sandwiches und der Milch aus "Minority Report" erinnern?)...aber wie's aussieht, ist soweit alles ok...na, dann mach' ich mich wieder vom Acker...mhhh...Lüften könnte ich auch mal...irgendwie riecht's hier seltsam...mal sehen, vielleicht komme ich später wieder...

Freitag, 19. März 2010

Alteisen

Habe eben auf unserem Gemeindeamt die folgende Werbung für die Oma/Opa-Börse gefunden. An sich wäre das ja eine gute Sache, was mich aber ein wenig verstört, ist die Altersgrenze für angehende Leih-Großeltern:
Obwohl ich den Leih-Opa schon seit fast 3 Jahren spielen könnte, werde ich doch wohl noch ein wenig warten...Alfred Böhm hat die Rolle ja auch erst mit knapp 65 übernommen...

Donnerstag, 18. März 2010

Viva Mexico!

Ahhh....Mexico! Da denkt man doch sofort an Chili, Siesta, Tequila, Kakteen, Tacos, Tortillas, Pancho Villa und Sombreros. Und an Guacamole. Gestern hatte ich allerdings eine Begegnung der dritten Art. Irgendwie überkam mich am Nachhauseweg ein wahnsinniger Gusto auf Tortilla-Chips und Guacamole. Also nichts wie in den nächsten Supermarkt und Chips und Dip besorgt.
Die Füße auf den Wohnzimmertisch, die Chips und den Dip geöffnet und....wäääähhhh!
Ein Blick auf die Inhaltsstoffe bestätigte dann meine Vermutung: Diese grüne Pampe hat mit der beliebten Avocadocreme in etwa so viel gemein wie Crème de la Mer mit Tzatziki. Ich habe erstere zwar noch nicht gekostet, aber schlimmer als dieser kotzgrüne, zähflüssige Schleim mit der Konsistenz (und dem Geschmack) von Spachtelmasse kann es auch nicht sein...
Ich dachte immer, Guacamole besteht aus Avocados, Tomaten, Knoblauch, Tabasco und Salz. Ha! Ich war ja sowas von fehlinformiert...hier die vollständige Zutatenliste für "Guacamole à la Chio-Chips":

  • Trinkwasser
  • Creme Fraiche
  • Joghurt
  • Schmelzkäse (Wasser, Käse, Butter, Milcheiweiß, Magermilchpulver, Süßmolkenpulver, Schmelzsalze: E331, E336, E452; Speisesalz)
  • Paprika (Paprika, Wasser, Branntweinessig, Zucker, Speisesalz, Festigungsmittel: Calciumchlorid)
  • Zwiebeln
  • Verdickungsmittel: E1422, E415, E412
  • Avocadopürree (Avocado, Antioxidationsmittel: Citronensäure, Ascorbinsäure)
  • Maisstärke
  • Avocadoöl
  • Macadamianussöl
  • Eigelbpulver
  • Speisesalz
  • Emulgator: E435
  • Aroma
  • Säuerungsmittel: Milchsäure
  • Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat
  • Maltodextrin
  • Zucker
  • Avocadopulver
  • Gewürze
  • Farbstoffe: E160a, E150d, E131
  • Pfefferonen
  • Pflanzenfett
Eh ganz einfach, oder? Ich sehe förmlich Salma Hayek vor mir, wie sie in einem tönernen Topf alle Zutaten vermischt und dann in den Garten hinausruft: Liebling! Essen ist fertig!


Montag, 15. März 2010

Ich bin schizophren. Ich auch.

Ich habe eben eine sehr seltsame Erfahrung gemacht. Ich bin gerade in Graz und wollte nur noch einen kleinen abendlichen Snack einnehmen. Vorgenommen hatte ich mir eigentlich irgendwas leichtes...Suppe und Salat oder so...
Ich sitze also in der Schmankerlstube, durchforste die Karte und habe mir auch schon was ausgesucht: Eine Fritattensuppe und einen Vogerlsalat mit warmen Kartoffeln.
Soweit so gut. Als dann aber die Kellnerin kommt, um die Bestellung aufzunehmen, habe ich dann plötzlich so eine Art "Out-Of-Body-Experience". Ich höre mir selbst zu, wie ich "Eine Fritattensuppe, ein gebackenes Putenschnitzerl mit Reis und einen grünen Salat mit Kernöl" bestelle.
Wer war das? Hab' ich das eben gesagt? Nachdem mein zweites Ich die Bestellung auf- und die Kontrolle wieder an mich abgegeben hatte, war es dann aber schon zu spät...die Kellnerin ist weg...naja, hätte schlimmer kommen können...der andere könnte ja auch ein Faible für Champignonrisotto mit Gorgonzola und frischen Oliven haben...wenigstens haben wir den selben Geschmack...und ich darf das Essen selber genießen. Wär ja echt blöd, wenn ich erst wieder nach dem Essen mitspielen dürfte...also dann: Mahlzeit
Mahlzeit...

Mittwoch, 10. März 2010

23:45

Man kennt das ja aus dem Film oder dem Fernsehen: Da gibt's jede Menge total sympatische Menschen, die mehr oder weniger ausgeprägte...ähäm...Eigenheiten haben.
Nehmen wir zum Beispiel Melvin Udall. Das ist dieser Typ aus "Besser geht's nicht", der beim Gehen immer darauf achtet, nicht zwischen zwei Steine am Gehweg zu treten...ok, der war am Anfang vielleicht nicht so wirklich hundertprozentig sympatisch...egal...
Oder Raymond Babbitt aus Rainman: "Ich bin ein ausgezeichneter Fahrer!"
Der bekannteste Sonderling ist aber sicher Adrian Monk. Den kennt ja wirklich jeder und der hat eine beachtliche Menge an seltsamen Macken, die ihn aber gerade deshalb so liebenswert machen.
Wenn man jemanden mit eigenartigen Verhaltensweisen mit "Du bist ein richtiger Monk!" tituliert, nimmt das a) keiner Übel und b) weiß jeder was damit gemeint ist.
Was hat das ganze jetzt mit mir zu tun? Tja, ich werde mich jetzt mal outen: Ich bin auch ein Monk!
Ich stehe auch dazu. Gut, ich desinfiziere mir nicht andauernd die Hände, muss nicht beim Vorbeigehen an Parkuhren jede einzelne berühren, habe keine Angst vor Menschenmassen, Höhen oder Tieren und bin auch sonst einigermaßen alleine lebensfähig (Ok, über den letzten Punkt könnte man jetzt mit meiner Frau diskutieren...), aber ich habe doch die eine oder andere Macke.
Eine spezielle hat mit dem Titel des heutigen Artikels zu tun: Wir haben einen Radiowecker, der die aktuelle Uhrzeit an die Zimmerdecke projiziert und die beste Zeit einzuschlafen ist definitiv 23:23. Warum? Weil 23 meine Lieblingszahl ist (Wieso? Keine Ahnung! Ich kann auch nicht erklären, warum ich Rotwein lieber mag als weißen und schwarze Autos lieber als blaue, ist halt so...) und deshalb ist die doppelte 23 ist einfach super.
Ein bisschen im Bett hin und her wälzen...verdammt...schon wieder einige Minuten vergangen...23:32...auch ok, 32 ist die Spiegelung zu 23, geht zur Not auch noch...23:45...geht klar, weil die Zahlen da so nett in einer Reihe stehen. Ein letzter Blick an die Decke und...oh verdammt...23:46..kein Problem...46 ist genau das doppelte von 23...alles in Ordnung. Also gleich umdrehen und schlafen, nur noch einmal nachsehen...23:47... Hmmm...macht nix. Sowohl 23 als auch 47 sind Primzahlen...phu gerade noch Glück gehabt...jetzt nur nicht wieder an die Decke sehen...
(Nur falls sich jemand fragt, warum ich in der Früh manchmal so müde bin :)

Freitag, 22. Januar 2010

Don Doloro - Der Herr des Schmerzes

Keine Ahnung, ob es anderen auch so geht. Ich bin im Wartezimmer eines Zahnarztes immer wie paralysiert. Ich versuche mich durch intensive Lektüre der diversesten Zeitschriften - erstaunlich oft sind das Golf-Magazine - davon abzulenken, wo ich mich gerade befinde.
Mein Zahnarzt hat mich mal gefragt, ob ich eine Spritze haben möchte. Ha! Was ist das denn für eine Frage? Er soll froh sein, dass ich ihm ohne Injektion die Hand gebe! Bevor ein Zahnarzt mit seinen Folterwerkzeugen in meinen Mund hinein darf, will ich eine Spritze haben. Zum Glück ist meine Angst vor den diversen Bohrern und Häkchen wesentlich größer als meine Angst vor Nadeln. Sonst wüsste ich ohnehin nicht, was ich machen würde...vielleicht zuerst ein oder zwei Valium einwerfen, bevor er mir eine lokale Betäubung geben kann...oder gleich Vollnarkose?
Wenn ich dann kopfüber am Behandlungstisch liege, den Mund weit offen und seine Finger tummeln sich irgendwo tief im Rachen, dann fängt das übliche Spiel an. Ich kenne keinen Zahnarzt, der anders wäre. Alle sind unheimlich kommunikativ und stellen einem andauernd irgendwelche Fragen. Wie war's im Urlaub? Wie geht's Deiner Frau? Was machen die Kinder? Wie läuft das Geschäft? Hat jemand meinen Bohrer gesehen? Obwohl sich meine Lippen anfühlen, als ob sie eigentlich gar nicht vorhanden wären und meine Zunge zwischen dem Saugschlauch, dem Bohrer und seinen Fingern ohnehin kaum Freiraum zur Bewegung hat, versuche ich dann seine Frage zu beantworten aber sobald man versucht, ein unartikuliertes "Mhgrhlwggrl" herauszubringen, kommt es sofort wie aus der Pistole geschossen: "Nicht sprechen!". Wozu bekommt man denn die ganzen Fragen gestellt, wenn sie gar keine Antworten haben wollen? Wie soll ich denn den Gesundheitszustand meiner Frau beschreiben? Mit einem Kopfnicken? 
Naja, wie dem auch sei, jetzt sitze ich wieder mal im Wartezimmer des Zahnarztes und es ist wie immer. Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Angstschweiß auf der Stirn, Bauchkrämpfe, zittrige Hände, weiche Knie...
Gleich wird er herauskommen...oh...es ist soweit...


Hr. Asteriou?
Ja?
Wir haben heute die fixe Zahnspange ihrer Tochter herausgenommen, ab jetzt bekommt sie eine, die nur in der Nacht getragen wird.
Super! Danke für die Information.
Ihre Frau soll einen neuen Termin für eine Überprüfung ausmachen.
Ich richte es ihr aus.
Gut. Schönen Tag noch.
Auf Wiedersehen!


Na, war ja gar nicht so schlimm heute...

Samstag, 16. Januar 2010

Kindheitstrauma

Wenn man der Psychoanalyse Glauben schenken darf, dann haben viele Verhaltensmuster eines Erwachsenen ihre Ursachen in der Kindheit. Eine oralen Fixierung z.B. kann durch eine kurze Stillphase verursacht werden. Ich frage mich nun, was in meiner Kindheit schiefgegangen sein könnte, woraus sich dann mein spezieller Drang entwickelt hat.
Nein, ich habe keinen Schuh-Fetischismus, ziehe keinen Lustgewinn aus dem Tragen von Frauenkleidern, gehe nicht in den Park um - nur mit einem Mantel bekleidet - alte Damen zu erschrecken und habe auch noch nie daran gedacht, Sex mit einem Meerschweinchen oder einem Goldfisch zu haben.
Was ich meine ist wesentlich harmloser: Ich habe eine Faible für Gadgets (auf deutsch eigentlich "Schnickschnack"), d.h. alle Arten von Geräten, die nicht unbedingt dem Fortbestand der Zivilisation dienen, sonder eigentlich Spielzeuge für - zumeist männliche - Erwachsene sind. Typische Beispiele dafür wären:

  • Handy
  • Smartphone
  • Laserpointer
  • Ferngesteuerte Modelle (Micro-Hubschrauber, Auto, U-Boot, ...)
  • Magnetische Stahlkugeln
  • u.s.w.
Grundsätzlich kann man sagen, dass alles, was auf den folgenden Websites zu finden ist, mehr oder weniger in die Kategorie "Muss man nicht unbedingt haben...ich will aber trotzdem" hineinfällt:
 Wie komme ich jetzt zu dieser Erkenntnis? Ganz einfach! Ich wurde letzte Woche von einem Bekannten gefragt, ob ich denn schon wieder ein neues Telefon hätte und ich musste zugeben, dass ich bei meiner aktuellen Neuerwerbung nicht widerstehen konnte. Ich bin dann mal die Liste der PDAs durchgegangen, die ich in den letzten Jahren mein Eigen nennen durfte...
  • HTC HD2, mein aktuelles Schmuckstück
  • Nokia N97
  • Apple iPhone 
  • Nokia E90
  • Vodafone VPA IV
  • Nokia 9500
  • TI Avigo
  • Sharp Zaurus
  • Psion 5mx
  • Apple Newton Message Pad 2000
  • Psion 5
  • Rex 6000
  • Apple Newton
  • Psion 3c
  • Psion 3a
  • Psion 3
Kann sein, dass ich die Reihenfolge zwischen dem Nokia 9500 und dem Psion 3c ein wenig durcheinander gebracht habe...der Rest stimmt so...manche Geräte hatte ich auch parallel zueinander oder alternierend im Betrieb...
Also entweder hab' ich als Kind zu wenig Spielzeug bekommen oder ich habe zu viel Filme mit James Bond, Mini Max, Simon Templar oder Maxwell Smart (der mit dem Schuh-Telefon) gesehen...

Mittwoch, 6. Januar 2010

Lebensmittelallergie?

Ich habe mich ja schon mal darüber geäußert, dass ich der Meinung bin, dass es bestimmte Lebensmittelzusätze gibt, die einen dazu bringen, dass man von manchen Nahrungsmitteln mehr zu sich nimmt, als von anderen.
Seit ungefähr Ende November ist mir aber noch was aufgefallen, das mir ein wenig Sorgen bereitet:
Lebensmittel können Allergien auslösen!
Ich habe seit den Feiertagen eine stetig zunehmende Schwellung über meinem Musculus rectus abdominis, die ich mir nur so erklären kann, dass ich augenscheinlich auf bestimmte Lebensmittel in höchsten Maße allergisch reagiere. Dabei wird auch der Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen, die Folgen sind Kurzatmigkeit, beschleunigte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck, schlechter Schlaf...wer weiß was sonst noch alles...
Deshalb verzichte ich seit vergangen Montag auf bestimmte Speisen, die ich offenbar nicht vertrage:
Kekse, Vanillekipferl, Lebkuchen, Kokosbusserl, Rumkokos etc.
Mal sehen, ob die Schwellungen und die restlichen Symptome  dann abklingen...

Samstag, 2. Januar 2010

Paris - Teil 4


Am Zahnarztstuhl, den Blick starr auf die Uhr gerichtet, scheinen die Zeiger sich im Schneckentempo von Zahl zu Zahl zu schleppen, während der liebe Onkel Doktor sich mit seinen Geräten an den Zähnen zu schaffen macht. Wenn man andererseits etwas Schönes erlebt, rast die Zeit nur so dahin.
Die Tage in Paris (klingt irgendwie wie der Titel eines französischen Films aus den Siebzigern) vergingen wie im Flug, der Kurzurlaub hat uns allen sehr gut gefallen.
Für den letzten Tag unseres Aufenthalts haben wir uns einen Besuch im Louvre vorgenommen. Dazu hatte meine liebe Frau auch schon die Adresse eines kleinen Tabakgeschäftes herausbekommen - angeblich ein Geheimtipp - bei dem man die Eintrittskarten kaufen kann ohne sich vor dem Museum anstellen zu müssen. So geheim kann der Tipp aber nicht gewesen sein, in der Schlange vor uns warteten nämlich ca. 200 Leute. Man bedenke: Dies war die Schlange vor einem Geschäft, welches als Geheimtipp gehandelt wird, nicht die Schlange vor dem Eingang zum Louvre selbst. Die war nämlich wesentlich länger als jene, die sich zwischen uns und unserem Ziel dahingewunden hat. Da wir nach ungefähr fünf Minuten um ebensoviele Plätze nach vor gerückt waren und somit alleine mit dem Kartenkauf locker zwei Stunden verbracht hätten, entschlossen wir uns dann doch, die Kultur links liegen zu lassen und uns lieber nach rechts, in Richtung Galleries Lafayette, zu wenden.
Dieses altehrwürdige Kaufhaus ist zwar wahnsinnig toll anzusehen (ein wunderschönes Jugendstil-Gebäude), was uns allerdings irritiert hat, war der Umstand, dass bei den meisten der ausgestellten Artikel kein Preisschild zu sehen war...gar kein gutes Zeichen. Wir entdeckten dann doch noch ein Paar Stiefelchen von Jimmy Choo (der aus der Serie "Sex and the City") um wohlfeile 1.500 €, aber zu meinem Glück sagte sowohl meiner Frau als auch meiner Tochter der Schnitt nicht zu...phu, Schwein gehabt...
Nach einem kurzen Abstecher in ein Cafe (die hatten dort eine leckere Crème brulée) sind wir noch ein wenig durch die Stadt gewandert, um dann endlich ein echt französisches Essen in einer echt französischem Brasserie zu uns zu nehmen. Man könnte annehmen, dass ich ein wenig essensgesteuert bin, aber das täuscht. Reiner Selbsterhaltungstrieb. Bei den von uns zurückgelegten Strecken ist ständige Nahrungszufuhr der einzige Hinderungsgrund gegen einen totalen Zusammenbruch...
Nach einer weiteren Wanderung (ich sag doch, dass wir andauernd gegangen sind) und einem weiteren Kaffee in einem Café (hab ehrlich nichts dazugegessen) sind wir dann über den Boulevard Saint-Germain in Richtung Champs-Élysées spaziert und dann nochmal bis zum Triumphbogen, wo wir zum letzten Mal die Metro Richtung Hotel nahmen.
Auf dem Weg von der U-Bahn-Station zu unserer Bleibe der vergangenen Tage holte uns dann doch noch der Regen ein, den wir eigentlich laut Wetterbericht während unserers gesamten Kurzaufenthaltes genießen hätten sollen...wäre nicht so toll gewesen...
Mit dem Taxi zum Flughafen, einchecken, Sicherheitskontrolle, wieder mal warten (zum Glück diesmal ohne Schlange und vor allem sitzend), ereignisloser Heimflug, sanfte Landung, kurze Heimfahrt und schon waren wir wieder zu Hause...

Was habe ich während meines Paris-Aufenthaltes gelernt:
  1. Wenn man nach Paris kommt, muss man auf unbedingt gutes Schuhwerk tragen, besonders dann, wenn man mit meiner Frau dort Urlaub macht
  2. Schlangen scheinen in Paris besonders beliebt zu sein, nicht nur dort, wo man sie ohnehin erwartet wie dem Louvre, dem Eiffelturm, Disneyland etc., sondern auch an Stellen, von denen man sie mit Sicherheit nicht vermuten würde: Vor dem Louis-Vitton- und dem Nespresso-Shop in der Champs-Élysées waren jeweils ca. 50-70 Personen angestellt, die darauf warteten, hineingelassen zu werden...
  3. Pariser sprechen nicht nur Französisch, sondern auch Englisch, wenn es sein muss. Das alte Vorurteil, dass sie nicht des französisch mächtige einfach ignorieren würden, stimmt offenbar nicht mehr.
  4. Ein generelles Rauchverbot in Lokalen führt nicht dazu, dass diese sofort schließen müssen, weil die Gäste ausbleiben, auch ein Volk, das so milde Zigaretten wie die Gitanes ohne Filter erfunden hat (Stichwort Beuschlreißer), funktioniert ohne diese lästigen Glimmstengel (ich hasse die Schreibweise "Glimmstängel", sieht echt furchtbar aus)
  5. Nicht nur die Finnen sitzen sofort im Freien, wenn die Temperatur über den Gefrierpunkt steigt, auch die Franzosen lieben das...
  6. Très bien bedeutet nicht "Drei Bienen" und Sortie ist kein besonders häufiges Fast-Food-Restaurant, auf das man im jeder Metro-Station hingewiesen wird.
Was ich immer noch nicht verstehe:
  1. Warum springen nach dem Landen fast alle Passagiere auf, um dann minutenlang dichtgedrängt im Gang des Flugzeuges zu warten, bis endlich die Türen geöffnet werden. Selbst wenn man als erster aus dem Flugzeug draußen ist (Hurra! Erster!), gibt es einen Preis dafür, wenn man als erster am Kofferband steht und auf sein Gepäck wartet?
  2. Warum springen sofort beim Boarden alle Leute auf, als ob im Flugzeug die Sitzplätze der Reihe nach vergeben werden würden und das Konzept von Platzkarten noch nicht erfunden worden wäre?
  3. Wie schafft man es, innerhalb eines Tages, in den Louvre hineinzukommen und dann auch noch Zeit zu haben, sich die Exponate anzusehen?