Donnerstag, 15. Juli 2010

Another Day In Paradise

Am Montag morgen machten wir uns wieder auf den Weg nach Santa Barbara, da wir dort am Mittwoch einen Termin mit dem Direktor der High School hatten, die meine Tochter nächstes Jahr für sechs Monate besuchen sollte und da wir die Strecke von knapp 500 Kilometern nicht in einem Tag zurücklegen wollten, hatten wir vor, irgendwo auf der Strecke zu nächtigen.
Knapp nach San Francisco machten wir noch bei einem Lokal Halt, in dem die Zeit in den Fünfzigern stehengeblieben zu sein schien: Altbackene Einrichtung, Stereoanlage an jedem Tisch (mit Münzeinwurf und einer Auswahl, die sogar meine Oma als "Oldies" bezeichnet hätte), eine museumsreife Kasse und als Zahlungsmittel nur CASH, d.h. keine Kreditkarten (!!)...wir hatten dort aber trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ein spitzenmäßiges Frühstück.
Solchermaßen gestärkt machten wir uns auf den Weg. Uns war von mehreren Leuten (inklusive einem Mann, mit dem wir beim Whale-Watching ins Gespräch gekommen waren und der aussah, wie eine alte Ausgabe von Serpico) nahegelegt worden, die Küstenstraße zu nehmen, da diese landschaftlich wunderschön sei. Keine Übertreibung. Wahnsinn. Ich wäre eigentlich gerne alle paar Kilometer stehengeblieben, um die Aussicht zu genießen. Ok, bin ich eigentlich auch. Insgesamt gibt's von der Strecke knapp 100 Fotos... :)
Ungefähr bei der Hälfte blieben wir dann einfach mal stehen und fanden uns wirklich rein zufällig in einem der tollsten Plätze, die wir in dem Urlaub gesehen hatten. Der Ort heißt "Ragged Point" und eigentlich handelt es sich dabei nicht wirklich um einen Ort, denn außer dem "Ragged Point Inn and Resort", einer Tankstelle, einem Souvenir-Shop und einem kleinen Café gibt's dort nichts, ich kann jedem, der sich zufälligerweise mal in der Gegend aufhält aber nur wärmstens ans Herz legen dort stehenzubleiben und sei es nur, um die Aussicht zu genießen.
Auf der einen Seite des Resort steigen die Berge auf ungefähr 1000 Meter an, auf der anderen Seite geht's relativ steil bis zum Meeresniveau hinunter.
Wir nahmen uns zwei Zimmer (eigentlich kleine Bungalows), stiegen den schmalen und steilen Weg bis zum Pazifischen Ozean hinab, um unsere Füße ins Wasser zu halten (soooo kalt - die Handbewegung dazu bitte einfach vorstellen), machten uns dann auf den Rückweg und beschlossen den Abend bei einem Lachs mit Makadamia-Kruste, Ananas-Salsa, Basmati-Reis, Gemüse und einem Glas Wein...ahhh...Urlaub...

Geburts-Tag

Mark Twain wird der Spruch zugeschrieben "The coldest winter I ever spent was a summer in San Francisco". Ist zwar in Wirklichkeit nicht von ihm, stimmt aber trotzdem. Als wir uns am Sonntag Morgen (meinem 48. Geburtstag) zum Pier 33 aufmachten, um die Fähre zur Gefängnisinsel Alcatraz zu nehmen, war das Wetter so ungemütlich, dass ich ehrlich bereute, keine lange Hose angezogen und keinen Fleecepulli mitgenommen zu haben. Es hatte ungefähr 16° und die Wolken hingen so tief, dass Häuser schon ab 7 Stockwerken Wolkenkratzer genannt werden hätten können.
Die Überfahrt war in knapp 15 Minuten erledigt, trotzdem zog ich es diesmal vor, innerhalb des Schiffes zu bleiben und nicht an Deck zu gehen...abgehärteter Österreicher hin oder her...
Wenn man die Wartezeiten beim Anstehen zum Ticketkauf, beim Anstehen zum Fotografieren, beim Anstehen zum Einsteigen, beim Anstehen zum Aussteigen und beim Anstehen zum Rundgang auf der Insel, beim Anstehen zur Rückfahrt, beim Anstehen zum Aussteigen und beim Anstehen zum Begutachten der Fotos (gottlob muss man die nicht kaufen) zusammenrechnet, zahlt sich der Besuch der Gefängnisinsel nicht wirklich aus. Interessant ist es zwar schon, zu sehen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort gelebt hatten, aber sonst eher entbehrlich (...muss glatt mal fragen, ob ich im Gefängnis in Korneuburg eine Führung bekomme...).
Mein Junior war aber dafür ohnehin nicht wirklich zu begeistern, ihn interessierten nur die derzeitigen Beherrscher der Insel, die allgegenwärtigen Seemöven...Meins? Meins? Meins?
Gegen Mittag kam dann, wie schon zuvor in Santa Barbara, die Sonne heraus und sowas lässt die Welt gleich wieder viel schöner aussehen. Wir pilgerten über Pier 39, wo es jede Menge Geschäfte aller Art gibt, vom Sock-Shop in dem es - richtig geraten - nur Socken gibt, bis zum Obst-Laden, in dem wirklich schöne und wohlschmeckende Früchte (Kirschen in mehreren Farbschattierungen von gelb-rot bis nahezu schwarz, Riesen-Erdbeeren, Knackbirnen, Äpfel, ...) zu wahnsinnigen Preisen verkauft werden. 


Brave Touristen die wir sind, stellten wir uns dann am Nachmittag zu einer Fahrt mit einem der berühmten Cable-Cars an und nach kaum 40 Minuten waren wir dann auch schon damit unterwegs. Als Verkehrsmittel vermutlich nicht wirklich zu verwenden, dazu sind die Dinger mit zu viel Besuchern vollgestopft, die immer nur von einer Endstation zur nächsten und wieder zurück fahren. 
Wir waren so heroisch, am Ende der einen Strecke auszusteigen und den Weg ins Hotel zurück zu Fuß zu zurückzulegen.
Die Kinder speisten wir unterwegs mit Fast-Food ab und parkten sie dann im Zimmer vor dem Fernseher, weil wir an dem Abend einen Tisch in einem Steak-Restaurant reserviert hatten (habe ich schon erwähnt, dass ich Geburtstag hatte?), und da die Bälger richtig saftige Steaks und einen guten Rotwein ohnehin nicht zu würdigen wissen, nahmen die beste Ehefrau von allen und ich uns einen Abend frei.
Meine Göttergattin hatte bei Ruth's reserviert, weil dieses Restaurant gute Kritiken hatte und uns außerdem von einer Freundin empfohlen worden war und ich muss sagen, wir wurden nicht enttäuscht: Die Steaks werden dort immer auf knapp 275° heißen Tellern serviert, auf denen das Fleisch noch zischt und die Qualität war einfach sagenhaft.
Nach einer gefühlten halben Kuh, einem Sack Kartoffeln, drei Steigen grünen Bohnen und einer Kiste Wein (ok, es war nur ein Porterhouse, je ein Teller Bohnen und Pommes und eine Flasche Rotwein) waren wir nicht mehr wirklich in der Lage, den Weg zum Hotel zu Fuß zurückzulegen. Laut Google-Maps sollte es zwar nicht mehr als 30 Minuten dauern, aber das ist vermutlich nur dann der Fall, wenn man nüchtern joggt und nicht wenn man...ok, lassen wir das...außerdem war es ohnehin schon wieder saukalt...

Mittwoch, 14. Juli 2010

If you are going to San Francisco...

Beim Rückweg vom Whale-Watching hatte unser Junior mal wieder nicht auf seine Eltern gehört, war über eine Mauer gelaufen, ausgerutscht und auf seine Hand gefallen (Ich hab's Dir ja gleich gesagt...). Die Schmerzen waren offenbar auch am nächsten Morgen noch beträchtlich, und da wir nicht riskieren wollten, dass vielleicht irgendein Knochen gebrochen sein könnte, besuchten wir vor unserer Abreise nach San Francisco noch schnell das Krankenhaus in Santa Barbara um mit einem Röntgenbild alle Zweifel zu beseitigen...ein Krankenhausaufenthalt pro Urlaub ist schoh sowas wie eine nette Tradition...
Es stellte sich heraus, dass er sich die Hand nur verstaucht hatte, er sie ein wenig schonen sollte und es sich bis zu den Vergnügungsparks in L.A. ausgehen würde, alle Hochschaubahnen auszutesten...


Eigentlich sollte man sich ja laut Scott McKenzie Blumen in die Haare geben, wenn man nach San Francisco geht, ich frage mich allerdings, zu wie das ausreichenden Schutz gegen die Temperaturen oder den Nebel bieten soll. Könnte natürlich auch sein, dass damit in Wirklichkeit keine Blumen gemeint waren, die man sich in die Haare stecken soll, sondern Pflanzen, die man trocknet und in ein Papier einrollt...ach was weiß ich...
Als wir zu Mittag in Santa Barbara verließen, hatten  wir das allerbeste Wetter und äußerst angenehme Temperaturen.
Je näher wir am späten Nachmittag S.F. kamen, desto wolkiger und kühler wurde es allerdings.


Wir checkten in unser Hotel ein und gingen dann - mal ganz was Neues - ins Kino..."Despicable Me" (in Österreich: "Ich - Einfach unverbesserlich")...sehr zu empfehlen!
Mein Vorschlag, zurück zum Hotel ebenfalls zu Fuß zu gehen, fand allerdings nicht wirklich regen Zuspruch, der Rest der Familie (ok, der jüngere Teil, d.h. die Kinder) bestand darauf, dass es soooo weit gewesen sei und dass wir biiiiiiete ein Taxi nehmen sollten...na gut, man ist ja kein Unmensch...

Wir rufen Flipper, Flipper, gleich wird er kommen...

Für den Freitag hatten wir eine Whale-Watching-Tour gebucht und nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Marina. Wie üblich war es bewölkt und eher kühl, aber um meinem Ruf als abgehärteter Österreicher gerecht zu werden, zog ich es vor, die mitgebrachte Weste nicht anzuziehen und nur mit der kurzen Hose und dem T-Shirt den Unbillen des Wetters zu trotzen.

Nach ein paar Minuten bekamen wir Geleitschutz von Delphinen, die sich genau vor dem Bug unseres Schiffes im Wasser tummelten.
Als wir dann bei den Kanalinseln angekommen waren, mussten wir auch nicht lange auf die versprochenen Wale warten, wir bekamen sowohl Buckelwale als auch Blauwale zu sehen.
Die Bilder machen nicht wirklich viel her, wenn man die Riesen aber aus der Nähe zu sehen bekommt, ist das schon beeindruckend. 

Nach einiger Zeit hatte ich dann genug Schwanzflossen von Walen fotografiert und beschloss, die Tiere nicht mehr durch den Sucher der Kamera, sondern "in Natura" zu betrachten....irgendwie ist man dann direkter dabei, als nur durch die Linse betrachtet...

Nachdem wir in den Hafen zurückgekehrt waren, hatte ich Gelegenheit zu bemerken, dass man tatsächlich auch bei bewölktem Himmel braun wird. Ich hatte mir einen wunderbaren Sonnenbrand zugezogen...und dank der nur um die Hüften geschlungenen Jacke auch noch einen Schnupfen...danke schön auch noch...

In der Zwischenzeit war die Bewölkung wie üblich vollkommen verschwunden und der Himmel wölbte sich in einem wunderschönen Sommerblau über uns.


Gemeinsam beschlossen wir dann, für das Mittagessen bei Pizza-Hut vorbeizuschauen. Mein Navi hatte mit genau verraten, wo sich das nächste Lokal befindet und da wir das Auto stehenlassen wollten, fuhren wir die 4,5 Kilometer mit dem Bus. Was mein Navi mir nicht gesagt hatte, war die Tatsache, dass es sich bei dem Lokal um eines handelte, bei dem man die Pizzas nur bestellen, nicht aber essen konnte, wir sahen uns also gezwungen, unser Essen am Gehsteig sitzend zu uns zu nehmen...auch mal eine interessante Erfahrung...


 

I want to ride my bicycle, I want to ride my bike....

Die beste Ehefrau von allen und meine zwei Kinder werden 2011 von Jänner bis Juni in Santa Barbara verbringen. Am Donnerstag stand darum ein Besuch der "Santa Barbara Junior High" und ein Treffen mit dem Direktor der Schule auf dem Programm, in die mein Junior nächstes Jahr gehen wird. Sehr nette alte Schule (ok, alt ist jetzt relativ, das Haus, in dem ich mein Büro habe, ist ungefähr 80 Jahre älter, aber für Amerika ist 1932 schon recht alt...) in einer echt netten Gegend in Downtown (Petula trällert schon wieder). 




Beim Schulbesuch dürfte es anscheinend wesentlich weniger formell zugehen als in Österreich, bezüglich Anmeldung und den notwendigen Unterlagen meinte er nur, dass wir Anfang Jänner kommen sollten und dann machen wir das schon irgendwie...


Nach dem Meeting mit dem Direktor sind wir dann ans Meer gefahren, haben uns Fahrräder ausgeborgt und sind dann den Strand in beide Richtungen abgefahren. Sohnemann war ein wenig verstimmt, weil wir uns nur "normale" Fahrräder ausgeborgt hatten und nicht eines der coolen Fahrzeuge mit Lenkrad, auf dem vier Personen sitzen können und im besten Fall zwei Personen treten...danke, hatte ich schon mal...muss nicht unbedingt sein, das Ding sieht nach mehr Spaß aus, als es tatsächlich macht...
Ansonsten ein eher ereignisloser Tag ohne sonstige berichtenswerte Ereignisse...

Sonntag, 11. Juli 2010

Leeet de sanschein, leeet de sanschein, de sahanschein in...

Der erste Blick aus dem Fenster zerschmettert die Hoffnungen meines Juniors, den Tag mit einem Bad im Meer zu beginnen. Es sieht eher so aus, wie bei uns im April und die Temperatur ist ebenfalls ähnlich, auf mehr als knapp 17° klettert das Thermometer nicht.


Nachdem dieses Wetter nicht wirklich dazu einlädt, sich an den Strand zu setzen oder gar ins Wasser zu gehen, machten wir das, was alle guten Touristen machen: Eine Rundfahrt mit dem Bus.

Nein, nicht mit dem Bus, dabei handelt es sich um das Kunstwerk eines waschechten Hippies, dessen Fahrzeug man gegen eine kleine Spende fotografieren kann (Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde, wenn man versuchen würde, damit in Österreich ein "Pickerl" zu bekommen...).

Unsere Tour machten wir zwar künstlerisch etwas weniger wertvoll, dafür vermutlich um einiges bequemer, in einem einigermaßen normalen Bus, wobei uns der Fahrzeuglenker nebenbei auch noch interessante Dinge über Santa Barbara erzählte.
  
Erraten! DER Typ hat NICHT mit uns die Stadtrundfahrt gemacht. Vielleicht hätte er auch was interessantes zu erzählen gehabt, vermutlich wären aber doch einige "Peace brother", "Love to all mankind" und "hang loose" mehr in die Erzählung eingeflossen.

Wie von den Einheimischen vorausgesagt, verziehen sich die Wolken ab ca. 14:00 und die Sonne kommt heraus, die Laune meiner Kinder und die Temperatur steigen im gleichen Maß. 


Bei einem Spaziergang auf der State Street, der Hauptstraße in Downtown (aus irgendwelchen Gründen trällert Petula Clark andauern in meinem Ohr) entdecken wir einen Apple-Store und die beste Ehefrau von allen kann uns nur unter Aufbringung aller Kräfte und der Androhung, das Abendessen ausfallen zu lassen, wieder davon loseisen.

Nach einem vorzüglichen Essen bei "Aldo's" (stimmt, ist ein Italiener) gehen wir anschließend noch ins Kino und sind danach vollkommen fertig und froh, ins Bett zu kommen (das waren noch Zeiten, als ein Kinobesuch der Anfang eines schönen Abends war und nicht das Ende). 

Samstag, 10. Juli 2010

Hinter den sieben Bergen...

Am Dienstag Morgen wollte ich zur Abwechslung das Frühstück mal nicht im Hotel einnehmen (zumal beim "Paradise Cove Lodge" gar keines inkludiert war), sondern in einem richtigen amerikanischen Diner. Dazu fuhren wir knapp 2 Meilen in die nette Kleinstadt "Isabella Lake" die gleich neben dem gleichnamigen See liegt. Das "Hungry Rancher" war genau so, wie man sich das vorstellt: Nur ein paar Tische, Kaffee (eigentlich: Koffeinhaltiges Heißgetränk) wird automatisch und unentgeltlich nachgefüllt (als ob man als Kaffee-verwöhnter Österreicher mehr als eine Tasse des Gebräus runterbekommen würde), die Kellnerin redet jeden mit "Honey" oder "Sweety" an und alles wird frisch zubereit. Es war wirklich so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Einfach spitze! Jede Menge Leute, die mit ihrem Frühstück beschäftigt waren, gutes Essen und eine äußerst nette Kellnerin. Nein, es war keine arme, ausgenutzte 20 jährige Schönheit vom Land, die versucht, der Kleinstadt zu entkommen, von betrunkenen Kunden angegrapscht wird und nachdem sie daraufhin das Essen fallen lässt, auch noch gefeuert wird sonder eher der Typ "versuche mich zu betatschen und du hast die Wahl zwischen gebrochenem Finger, Arm oder Genick".
Nachdem wir uns für die Reise gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg durch die Berge nach Santa Barbara. 
Wir waren zwar insgesamt über sechs Stunden unterwegs, aber wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die Fahrt ruhig noch länger dauern können, die Landschaft ist einfach atemberaubend schön. Zuerst fuhren wir durch den Sequoia National Forest entlang des Kern River in Richtung Bakersfield und dann durch den Los Padres National Forest bis nach Santa Barbara.
Wunderschön ausgebaute Straßen und kilometerweit kein einziges Fahrzeug...
und keine Menschenseele weit und breit...obwohl...irgendwie hatte ich manchmal das Gefühl, beobachtet zu werden...





Freitag, 9. Juli 2010

Hell-Boy

Nach dem Feuerwerk am Unabhängigkeitstag beschlossen die beste Ehefrau von allen und ich, noch schnell unsere Urlaubskasse in einem der zahlreichen Spielcasinos in Las Vegas aufzubessern. Irgendwie ist diese Casino-Inflation aber nicht so wirklich nach meinem Geschmack. Wenn man zig Casinos vor der Nase hat, bei denen es in keinster Weise irgendwelche Bekleidungsvorschriften zu geben scheint, dann gewinnen die Spielhöllen nicht gerade an Charme. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tummeln sich an den "Einarmigen Banditen" schier unzählige Glücksritter, die alle verbissen Münze um Münze und Geldschein um Geldschein in die Maschinen stopfen. Ein klein wenig geruhsamer geht es zwar an den Roulette-Tischen schon zu, Spaß macht es aber deswegen trotzdem keinen. Uns zumindest. Und das mit dem Aufbessern des Urlaubsgeldes hat auch nicht so wirklich geklappt. Wir haben zwar unseren Einsatz von 100$  auf sage und schreibe 125$ erhöhen können, aber um die Differenz kann man sich in Las Vegas nicht wirklich viel kaufen. 

Das Frühstücksbuffet im Cesar's Palace z.B. ist wirklich sehr umfangreich und es gibt für jeden Geschmack irgendetwas. Am Sonntag gibt's genau das gleiche Frühstücksbuffet, dann nennt es sich aber Sunday-Brunch und kostet pro Person um 20$ mehr. 

Am Montag früh sind wir dann aus Las Vegas abgereist (mehr als drei Tage hält man es dort eh nicht aus) und haben uns auf den Weg ins Death Valley gemacht. Die Temperatur in Vegas war mit knapp 37° ja nicht wirklich niedrig und in der Mojave-Wüste, die sich zwischen Los Angeles und Las Vegas befindet, war sie mit 40° sogar noch ein wenig höher, was sich aber im Death-Valley abspielt, ist der pure Wahnsinn. Testhalber sind wir mitten auf der Straße stehengeblieben (ist nicht wirklich sehr stark befahren) und ausgestiegen, um die Temperatur am eigenen Leib zu erleben, im klimatisierten Auto ist das ja eher leicht auszuhalten. Also ich muss sagen, dass sich 48° außerhalb des Fahrzeuges schon wesentlich unangenehmer anfühlen.
Das Bild oben zeigt einen Teil des Tals vom Aussichtspunkt "Dantes View" aus gesehen. Der Berg ist knapp 1400m hoch und die weißen Flächen sind Salzablagerungen am Boden des Tals, der sich ca. 86 m unter dem Meeresspiegel befindet. Unten in der Mitte des Bildes ist eine dünne schwarze Linie zu sehen, das ist eine Straße, die durch Death Valley hindurchführt.

Und so sieht der Blick von unten aus. Nicht sehr einladend, oder?
Nach weiteren 250 Kilometern erreichten wir dann den Lake Isabella, die letzte Station des fünften Tages unserer Reise. Die Landschaft war zwar nicht wirklich wahnsinnig viel grüner, aber man konnte zumindest erahnen, dass hier die Pflanzen zumindest im Winter oder Frühling grün sind. 

 Die Nacht haben wir dann in einem wunderbaren Hotel, dem Paradise Cove Lodge verbracht, dessen Zimmer genauso schön und exklusiv sind, wie die des Cesar's Palace...naja, fast...

 

Donnerstag, 8. Juli 2010

Zimmer mit Aussicht

Auf den Tag hatte ich mich schon eine ganze Zeit lang gefreut. Am Sonntag fuhren wir von Las Vegas mit einem Zwischenstopp am Hoover Staudamm zum Grand Canyon. Nach ungefähr 3 Stunden Fahrt, wobei man die letzten 20 Kilometer auf einer Schotterstraße zurücklegen muss, erreichten wir das Ziel unserer Reise, den "Skywalk". Dabei handelt es sich um eine Aussichtsplattform mit einem teilweise aus Glas bestehendem Boden und Glasgeländer, die sich einige hundert Meter über dem Grund des Grand Canyon befindet.
Die große Enttäuschung erlebten wir, als wir durch zahlreiche Hinweisschilder darauf aufmerksam gemacht wurden, dass wir "aus Sicherheitsgründen" unseren Fotoapparat und alle anderen Gegenstände abzugeben hatten. Die einzigen Fotos, die man bekommen konnte, waren die von einem Fotographen gemachten. Da aber der Preis für die Tour pro Person ohnehin schon ca. 86$ betragen hatte (inklusive Mittagessen), verzichteten wir auf Fotos, bei einem Stückpreis von 30$ ohnehin nicht gerade eine Okkasion.

Was die Sicherheit betrifft, waren wir übrigens ziemlich überrascht über die ambivalente Einstellung der Amerikaner zu diesem Thema: Letztes Jahr in Florida wurden wir bei der Sommerresidenz von Thomas Edison von zwei Personen über einen ampelgeregelten (!) Fußgängerübergang geführt, vor dem Skywalk kann man, wie das obige Bild zeigt, direkt bis zum Rand des Canyons gehen, dort befindet sich nicht mal ein läppisches Absperrseil und da geht's immerhin auch einige hundert Meter nahezu senkrecht nach unten...

Nach dem eher enttäuschenden Gang über die Glasplatten des Skywalk wurden wir mit dem Bus zur zweiten Station dem "Guano Point" gebracht. Die Aussicht dort war tatsächlich atemberaubend und wenn wir das zuerst gesehen hätten, wären wir vom massiv angepriesenen Skywalk noch enttäuschter gewesen, als wir es ohnehin schon waren.
Vom sogenannten "Ameisenhügel" hat man nahezu einen 360° Blick in den Grand Canyon, zumindest dafür hat sich die stundenlange Fahrt gelohnt.

Die dritte Station war dann "die Ranch", eine Nachbildung einer typischen Westernstadt, in der wir unser Mittagessen bekamen: Lauwarme Barbeque-Ribs, Bohnen (wenig aber doch geschmacklos), einen Ofenkartoffel, Maisbrot und einen labbrigen Schokokeks...naja, die Cowboys hatten früher sicher auch nicht mehr...

Danach fuhren wir den selben Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück nach Las Vegas, gerade noch rechtzeitig, um das Feuerwerk anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages zu sehen...praktischerweise direkt bei unserem Hotel....

Good Buy!

Den Samstag haben wir nach einem ausgiebigen Frühstück (mal ganz was Neues) dazu genützt, in ein Outlet-Center zu fahren und uns ein oder zwei Kleidungsstücke zu kaufen. Eigentlich bin ich ja absolut gegen Konsum aller Art (räusper, hüstel) aber manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss. Pünktlich zum Öffnungszeitpunkt um neun waren wir am Eingang angestellt, weil wir bis spätestens eins wieder draußen sein wollten...das ist sich leider nicht ganz ausgegangen, es hat dann doch bis halb fünf gedauert, bis wir wieder ins Hotel zurückgefahren sind...wenn wir mal so richtig in Fahrt kommen, sind wir kaum zu bremsen...ok...nicht wir alle...Sohnemann hat sich nach spätestens 20 Minuten so gelangweilt, dass er im Outlet-Center auf Erkundungstour gegangen ist, nach einer Viertelstunde hat ihn die beste Ehefrau von allen dann aber doch wieder gefunden, ich hatte mir in der Zwischenzeit schon vorgestellt, wie wir ihn über die Lautsprecheranlage ausrufen lassen würden...manchmal ist zu viel Phantasie auch nicht gut. 

Nachdem wir dann mit unseren erbeuteten Schätzen zum Hotel zurückgefahren sind, haben wir dann noch eine Stunde damit verbracht, die erstandenen Kleidungsstücke zu sichten, zu ordnen und von diversen Zetteln und Anhängseln zu befreien um uns dann noch ein klein wenig an den Pool des Hotels zu legen. 

Die Pools zu finden war nicht wirklich einfach. Nicht dass sie so klein wären, es ist vielmehr so, dass man sie vor lauter Menschen nicht sieht. Es ist unvorstellbar, was sich dort an Massen durch das Wasser drängt. Sieht ein bischen so aus, wie Fliegen auf Buttermilch im Sommer...man sieht nur noch die Fliegen....

Auf den Liegen, die rund um die Wasserflächen aufgestellt sind, ist die Personendichte auch wesentlich höher als auf den Hausmeisterstränden in Jesolo oder Caorle. Der Unterschied ist, dass das Durchschnittsgewicht der Badenden in Italien vermutlich geringer ist. Ich habe keine Ahnung, woher die in den Filmen und Fernsehserien, die in Las Vegas spielen (z.B. CSI), die ganzen schönen Leute hernehmen oder wo die den Rest verstecken...wenn sogar ich mir mal schlank (oder zumindest normalgewichtig vorkomme) dann heißt das schon was!

Nach dem Baden sind wir dann noch schnell was Essen gegangen und dann wie tot ins Bett gefallen...einige Stunden im Einkaufzentrum zu verbringen, kann einen ganz schön fertigmachen...

P.S.: Ich habe den Sensor meiner Kamera wieder sauberbekommen...

Vorher

Nachher